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pH-Wert messen: Teststreifen, Indikatorlösung oder pH-Meter - welche Methode passt?

von Biogo Biogo 17 Aug 2026 0 Kommentare
pH-Teststreifen, Indikatorlösung und digitales pH-Meter bei der Messung einer Laborprobe

Ein Teststreifen wird kurz eingetaucht, verfärbt sich und liefert innerhalb weniger Sekunden ein Ergebnis. Das klingt unkompliziert. Trotzdem ist diese Methode nicht für jede Aufgabe geeignet. Wer nur wissen möchte, ob eine Reinigungslösung sauer oder alkalisch ist, benötigt eine andere Messgenauigkeit als ein Labor, das den pH-Wert einer Probe dokumentieren oder einen Prozess kontrollieren muss.

Zur Auswahl stehen unter anderem pH-Teststreifen, Indikatorpapiere, flüssige Säure-Base-Indikatoren und elektronische pH-Meter. Jede Methode hat ihren eigenen Messbereich, typische Fehlerquellen und sinnvolle Einsatzgebiete.

Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die passende Methode auszuwählen und pH-Werte zuverlässiger zu bestimmen.

Was zeigt der pH-Wert?

Der pH-Wert beschreibt, ob eine wässrige Lösung sauer, neutral oder alkalisch reagiert.

Vereinfacht gilt:

  • Ein pH-Wert unter 7 weist auf eine saure Lösung hin.
  • Ein pH-Wert von etwa 7 gilt bei Raumtemperatur als neutral.
  • Ein pH-Wert über 7 weist auf eine alkalische beziehungsweise basische Lösung hin.

Die bekannte Skala von 0 bis 14 ist für viele wässrige Lösungen eine praktische Orientierung. Sie darf jedoch nicht als starre Grenze verstanden werden. Unter bestimmten Bedingungen können auch Werte außerhalb dieses Bereichs auftreten.

Der pH-Wert ist logarithmisch aufgebaut. Eine Änderung um eine pH-Einheit entspricht daher keiner kleinen linearen Veränderung. Zwischen pH 3 und pH 4 liegt beispielsweise ein zehnfacher Unterschied in der entsprechenden Wasserstoffionenaktivität.

In der praktischen Messtechnik wird der pH-Wert mithilfe kalibrierter Verfahren und Referenzpufferlösungen bestimmt. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt verwendet dafür primäre Referenzpuffer nach international abgestimmten Messverfahren.

Welche Methoden zur pH-Messung gibt es?

Die passende Messmethode hängt davon ab, wie genau das Ergebnis sein muss und unter welchen Bedingungen gemessen wird.

Zu den häufigsten Methoden gehören:

pH-Teststreifen

Sie liefern durch einen Farbumschlag einen ungefähren pH-Bereich. Die Farbe wird mit einer aufgedruckten Vergleichsskala abgeglichen.

Universalindikatorpapier

Es deckt meist einen breiten pH-Bereich ab und eignet sich zur schnellen Orientierung.

Indikatorpapier mit engem Messbereich

Dieses Papier erfasst nur einen begrenzten pH-Bereich, kann innerhalb dieses Bereichs aber eine feinere Abstufung ermöglichen.

Flüssige Indikatoren

Bestimmte Farbstoffe verändern ihre Farbe innerhalb eines charakteristischen Umschlagsbereichs. Sie werden unter anderem bei Säure-Base-Reaktionen und Titrationen eingesetzt.

Elektronische pH-Meter

Ein pH-Meter misst das elektrische Potential einer Elektrode und wandelt es in einen pH-Wert um. In der Praxis werden häufig Glaselektroden verwendet, die vor der Messung mit Referenzpufferlösungen kalibriert werden müssen.

pH-Teststreifen und Indikatorpapier

pH-Teststreifen gehören zu den einfachsten Methoden, um den ungefähren pH-Wert einer Lösung zu bestimmen.

Die Anwendung ist schnell:

  1. Teststreifen kurz mit der Probe benetzen.
  2. Überschüssige Flüssigkeit abschütteln oder ablaufen lassen.
  3. Die vorgeschriebene Reaktionszeit abwarten.
  4. Die Farbe mit der Vergleichsskala abgleichen.

Das Ergebnis ist in der Regel eine visuelle Einschätzung und kein hochpräziser Messwert.

Vorteile von pH-Teststreifen

  • schnell einsetzbar,
  • kein elektronisches Messgerät erforderlich,
  • leicht zu transportieren,
  • geringe Vorbereitung,
  • für Einzelmessungen und orientierende Kontrollen geeignet,
  • keine Kalibrierung notwendig.

Nachteile von pH-Teststreifen

  • begrenzte Ablesegenauigkeit,
  • subjektive Farbwahrnehmung,
  • schwierige Auswertung bei gefärbten oder trüben Proben,
  • mögliche Beeinflussung durch starke Oxidationsmittel oder andere reaktive Bestandteile,
  • häufig nur grobe Abstufungen,
  • abhängig von korrekter Lagerung und Haltbarkeit.

Universalindikatorpapier

Universalindikatorpapier deckt einen breiten Bereich ab, beispielsweise pH 1 bis 14. Es ist sinnvoll, wenn der zu erwartende pH-Wert noch nicht bekannt ist.

Der breite Messbereich hat jedoch einen Nachteil: Die einzelnen Farbstufen liegen häufig relativ weit auseinander. Für eine erste Einordnung ist das ausreichend. Für eine genaue Prozesskontrolle meistens nicht.

Indikatorpapier mit engem Messbereich

Ist der ungefähre pH-Wert bereits bekannt, kann ein enger Messbereich vorteilhaft sein.

Ein Papier für beispielsweise pH 4,0 bis 7,0 ermöglicht innerhalb dieses Bereichs meist eine feinere Ablesung als ein Universalpapier von pH 1 bis 14.

Das Vorgehen kann daher zweistufig sein:

  1. Zunächst den ungefähren Bereich mit Universalindikatorpapier bestimmen.
  2. Anschließend mit einem enger abgestuften Indikatorpapier nachmessen.

Flüssige pH-Indikatoren

Flüssige Indikatoren sind chemische Farbstoffe, deren Farbe sich abhängig vom pH-Wert verändert.

Bekannte Beispiele sind:

  • Phenolphthalein,
  • Methylorange,
  • Methylrot,
  • Bromthymolblau,
  • Bromkresolgrün,
  • Lackmus,
  • Thymolblau.

Jeder Indikator besitzt einen bestimmten Umschlagsbereich. Er zeigt daher nicht den gesamten pH-Bereich gleichmäßig an.

Beispiel: Phenolphthalein

Phenolphthalein ist in saurer und schwach neutraler Umgebung farblos. Im alkalischen Bereich entwickelt es eine rosa bis kräftig pinke Färbung.

Es eignet sich deshalb nicht zur genauen Messung eines beliebigen pH-Wertes. Es zeigt vielmehr, ob eine Lösung den charakteristischen Umschlagsbereich erreicht hat.

Beispiel: Methylorange

Methylorange verändert seine Farbe im sauren Bereich. Es wird unter anderem bei bestimmten Säure-Base-Titrationen eingesetzt.

Wofür eignen sich flüssige Indikatoren?

  • Demonstration von Säure-Base-Reaktionen,
  • Titrationen,
  • Kontrolle, ob ein definierter Umschlagspunkt erreicht wurde,
  • qualitative Einordnung einer Lösung,
  • Ausbildung und Laborunterricht.

Wo liegen die Grenzen?

Ein einzelner Indikator liefert normalerweise keinen exakten pH-Wert. Er zeigt lediglich, ob sich die Probe innerhalb, unterhalb oder oberhalb seines Umschlagsbereichs befindet.

Auch die Eigenfarbe der Probe kann die Beurteilung erschweren. Bei stark gefärbten, trüben oder fluoreszierenden Flüssigkeiten ist der Farbumschlag möglicherweise kaum erkennbar.

pH-Meter und Glaselektrode

Ein elektronisches pH-Meter ist die bevorzugte Methode, wenn ein konkreter Zahlenwert benötigt wird.

Das Gerät besteht üblicherweise aus:

  • einem Messgerät,
  • einer pH-Elektrode,
  • häufig einem Temperatursensor,
  • Kalibrier- beziehungsweise Pufferlösungen.

Die Elektrode erzeugt abhängig von der Wasserstoffionenaktivität der Probe ein elektrisches Potential. Das Messgerät verarbeitet dieses Signal und zeigt den berechneten pH-Wert an.

Vorteile eines pH-Meters

  • höhere Auflösung als bei Teststreifen,
  • numerischer Messwert,
  • besser für wiederholte Kontrollen geeignet,
  • Ergebnisse können dokumentiert und verglichen werden,
  • für Prozessüberwachung und Laboranalytik geeignet,
  • je nach Gerät automatische Temperaturkompensation möglich.

Nachteile eines pH-Meters

  • regelmäßige Kalibrierung notwendig,
  • Elektrode benötigt Pflege und geeignete Aufbewahrung,
  • höhere Anschaffungskosten,
  • empfindlich gegenüber Verunreinigung und Austrocknung,
  • nicht jede Elektrode eignet sich für jede Probe,
  • Messfehler durch falsche Temperatur oder unzureichende Stabilisierung möglich.

Warum muss ein pH-Meter kalibriert werden?

Die Eigenschaften einer Elektrode verändern sich mit der Zeit. Ablagerungen, Alterung, Lagerung und Temperatur können das Messergebnis beeinflussen.

Deshalb wird das Gerät mit Pufferlösungen bekannter pH-Werte kalibriert. Die PTB weist darauf hin, dass kommerzielle pH-Messgeräte in der Praxis mit Referenzpufferlösungen kalibriert werden müssen.

Für viele Anwendungen wird mindestens eine Zweipunktkalibrierung verwendet. Dabei werden zwei Puffer gewählt, zwischen denen der erwartete Messwert liegt.

Beispiele:

  • saure Probe: Puffer pH 4 und pH 7,
  • alkalische Probe: Puffer pH 7 und pH 10,
  • unbekannte Probe: zunächst orientierend messen und danach geeignete Kalibrierpunkte auswählen.

Die konkreten Kalibrierwerte hängen vom Gerät, der Methode und der geforderten Genauigkeit ab.

Teststreifen oder pH-Meter: der direkte Vergleich

pH-Teststreifen

Ergebnis: ungefährer pH-Bereich
Genauigkeit: niedrig bis mittel
Aufwand: sehr gering
Kalibrierung: nicht erforderlich
Kosten: gering
Geeignet für: schnelle Orientierung und einfache Kontrollen

Indikatorpapier mit engem Messbereich

Ergebnis: engerer pH-Bereich
Genauigkeit: besser als bei breitem Universalpapier, aber weiterhin visuell
Aufwand: gering
Kalibrierung: nicht erforderlich
Kosten: gering
Geeignet für: bekannte Messbereiche und schnelle Vergleichskontrollen

Flüssiger Indikator

Ergebnis: Farbumschlag innerhalb eines bestimmten Bereichs
Genauigkeit: abhängig vom Indikator und von der Probe
Aufwand: gering bis mittel
Kalibrierung: nicht erforderlich
Kosten: gering bis mittel
Geeignet für: Titrationen, Reaktionskontrolle und Demonstrationen

pH-Meter

Ergebnis: numerischer Messwert
Genauigkeit: bei korrekter Kalibrierung deutlich höher
Aufwand: mittel
Kalibrierung: regelmäßig erforderlich
Kosten: höher
Geeignet für: Labor, Qualitätskontrolle, Dokumentation und Prozessüberwachung

Welche Methode eignet sich für welche Anwendung?

Schnelle Prüfung einer Reinigungslösung

Für die schnelle Einordnung „sauer, neutral oder alkalisch“ reicht meist ein Universalindikatorpapier aus.

Soll kontrolliert werden, ob die Lösung innerhalb eines engeren Zielbereichs liegt, ist ein entsprechend abgestuftes Indikatorpapier sinnvoller.

Kontrolle von Wasser

Für eine orientierende Kontrolle kann Indikatorpapier verwendet werden.

Wer Veränderungen regelmäßig dokumentieren, kleine Unterschiede erkennen oder einen Prozess überwachen möchte, sollte ein kalibriertes pH-Meter einsetzen. Bei professionellen Messungen in Wasserproben müssen außerdem Probenahme, Temperatur, Kalibrierung und Messzeitpunkt berücksichtigt werden.

Boden und Substrate

Ein Teststreifen sollte nicht einfach direkt auf trockene Erde gedrückt werden. In der Regel wird zunächst nach einer definierten Methode eine Suspension oder ein Extrakt hergestellt.

Das Ergebnis hängt unter anderem ab von:

  • dem Verhältnis zwischen Probe und Flüssigkeit,
  • der verwendeten Flüssigkeit,
  • der Wartezeit,
  • der Homogenisierung,
  • der Temperatur.

Wer Messwerte vergleichen möchte, muss bei jeder Messung dieselbe Vorgehensweise verwenden.

Titrationen

Für eine einfache Säure-Base-Titration kann ein passender Farbindikator genügen. Entscheidend ist, dass sein Umschlagsbereich zum erwarteten Äquivalenzbereich der Reaktion passt.

Bei gefärbten Proben, automatisierten Verfahren oder höheren Genauigkeitsanforderungen kann eine potentiometrische Bestimmung mit Elektrode geeigneter sein.

Qualitätskontrolle und Produktion

Sobald pH-Werte dokumentiert, zwischen Chargen verglichen oder als Freigabekriterium verwendet werden, ist ein pH-Meter in der Regel die bessere Wahl.

Zusätzlich sollten festgelegt werden:

  • Kalibrierhäufigkeit,
  • zulässige Pufferlösungen,
  • Messtemperatur,
  • Wartezeit bis zum stabilen Messwert,
  • Reinigungsablauf,
  • Dokumentation,
  • Akzeptanzgrenzen.

Schule, Ausbildung und Demonstration

Für sichtbare Säure-Base-Reaktionen eignen sich flüssige Indikatoren besonders gut. Universalindikatorpapier ermöglicht zusätzlich eine schnelle Einordnung mehrerer Proben.

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pH-Wert richtig messen: Schritt für Schritt

Die genaue Vorgehensweise hängt von der gewählten Methode ab.

Messung mit pH-Teststreifen

1. Passenden Messbereich auswählen

Verwenden Sie Universalpapier, wenn der pH-Bereich unbekannt ist.

Ist der ungefähre Wert bekannt, wählen Sie ein Papier mit engerem Messbereich.

2. Sauberes Probengefäß verwenden

Entnehmen Sie eine kleine Menge der Probe in ein sauberes Gefäß. Dadurch wird vermieden, dass das gesamte Produkt durch den Teststreifen verunreinigt wird.

3. Streifen korrekt benetzen

Je nach Herstellerangabe wird der Streifen:

  • kurz eingetaucht,
  • mit einem Tropfen benetzt,
  • oder mit einem sauberen Glasstab kontaktiert.

Die Anwendungshinweise des jeweiligen Produkts haben Vorrang.

4. Reaktionszeit beachten

Lesen Sie das Ergebnis nicht sofort und auch nicht erst mehrere Minuten später ab. Die korrekte Wartezeit steht in der Produktanleitung.

5. Farbe bei geeignetem Licht vergleichen

Nutzen Sie möglichst neutrales, helles Licht. Farbige Beleuchtung kann die Wahrnehmung verändern.

6. Ergebnis als Bereich dokumentieren

Ein Teststreifen liefert häufig keinen exakt abgesicherten Einzelwert. Dokumentieren Sie daher beispielsweise „pH etwa 6–7“ statt „pH 6,4“, wenn die Skala diese Genauigkeit nicht ermöglicht.

Messung mit einem pH-Meter

1. Elektrode kontrollieren

Prüfen Sie:

  • Ist die Elektrode sauber?
  • Wurde sie korrekt gelagert?
  • Ist sie ausgetrocknet?
  • Sind sichtbare Beschädigungen vorhanden?
  • Ist ausreichend Elektrolyt vorhanden, sofern das Modell nachfüllbar ist?

2. Geeignete Puffer vorbereiten

Wählen Sie Kalibrierpuffer, die den erwarteten Messbereich abdecken.

Verunreinigte Pufferlösungen können die gesamte Kalibrierung verfälschen. Gießen Sie gebrauchte Puffer daher nicht in die Vorratsflasche zurück.

3. Gerät kalibrieren

Spülen Sie die Elektrode zwischen den Puffern mit geeignetem Wasser ab und tupfen Sie sie vorsichtig trocken. Starkes Reiben kann die Elektrode elektrostatisch beeinflussen oder beschädigen.

4. Temperatur berücksichtigen

Puffer und Probe sollten möglichst bei vergleichbaren Temperaturen gemessen werden. Die Temperatur beeinflusst sowohl die Elektrode als auch den tatsächlichen pH-Wert der Lösung.

Eine PTB-Veröffentlichung weist darauf hin, dass Kalibrierung und anschließende pH-Messung bei derselben Temperatur erfolgen sollten, um temperaturbedingte Abweichungen zu reduzieren.

5. Elektrode in die Probe eintauchen

Die empfindliche Messfläche muss ausreichend bedeckt sein. Die Elektrode darf dabei nicht gegen den Gefäßboden schlagen.

6. Probe vorsichtig bewegen

Leichtes Rühren kann helfen, einen gleichmäßigen Messwert zu erhalten. Zu starkes Rühren kann Luft eintragen oder bei empfindlichen Proben die Zusammensetzung verändern.

7. Stabilen Messwert abwarten

Lesen Sie nicht den ersten angezeigten Wert ab. Warten Sie, bis sich die Anzeige stabilisiert oder das Gerät einen stabilen Endpunkt signalisiert.

8. Elektrode reinigen und richtig lagern

Nach der Messung wird die Elektrode entsprechend den Herstellerangaben gespült und in der vorgesehenen Aufbewahrungslösung gelagert.

Eine klassische Glaselektrode sollte normalerweise nicht dauerhaft in destilliertem oder demineralisiertem Wasser aufbewahrt werden, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt.

Warum Temperatur und Kalibrierung wichtig sind

Temperatur wird bei der pH-Messung häufig unterschätzt.

Sie kann zwei verschiedene Effekte verursachen:

  1. Das elektrische Verhalten der Elektrode verändert sich.
  2. Der tatsächliche pH-Wert der Probe kann sich mit der Temperatur verändern.

Eine automatische Temperaturkompensation gleicht vor allem die temperaturabhängige Elektrodenreaktion aus. Sie bedeutet nicht automatisch, dass ein bei 10 °C gemessener Wert direkt mit einem bei 30 °C gemessenen Wert gleichgesetzt werden kann.

Referenzpuffer besitzen deshalb temperaturabhängige Sollwerte. Für eine nachvollziehbare Messung sollten Puffer, Probe und Gerät ausreichend temperiert sein. Offizielle Referenzmessungen der PTB werden in definierten Temperaturbereichen durchgeführt.

Typische Fehler bei der pH-Messung

Einen zu breiten Testbereich verwenden

Wer einen Wert um pH 6 erwartet, erhält mit einem Testpapier von pH 1 bis 14 möglicherweise nur eine grobe Einordnung.

Ein engerer Messbereich liefert meist eine besser unterscheidbare Farbskala.

Gefärbte Proben visuell messen

Bei dunklen Säften, Farbstofflösungen oder trüben Suspensionen kann die Eigenfarbe den Indikator überdecken.

Ein pH-Meter kann hier geeigneter sein, sofern die Elektrode für die Probe vorgesehen ist.

Den Teststreifen direkt in das Vorratsgebinde tauchen

Dadurch können Indikatorstoffe oder Verunreinigungen in das Produkt gelangen.

Besser ist es, eine kleine Probe in ein separates Gefäß zu entnehmen.

Verschmutzte Elektrode verwenden

Öle, Proteine, Salze oder Feststoffablagerungen können die Reaktionszeit verlängern und das Ergebnis verschieben.

Die Reinigung muss zur Art der Verunreinigung und zur verwendeten Elektrode passen.

Elektrode zwischen Proben nicht spülen

Reste der vorherigen Probe verändern die nächste Messung. Das ist besonders kritisch bei stark sauren, alkalischen oder gepufferten Lösungen.

Mit ungeeigneten oder alten Puffern kalibrieren

Geöffnete, verunreinigte oder falsch gelagerte Puffer können ihren Sollwert verändern.

Beachten Sie Haltbarkeit, Lagertemperatur und Herstellerangaben.

Kalibrierpunkte falsch auswählen

Wer eine alkalische Probe erwartet, aber ausschließlich im sauren Bereich kalibriert, arbeitet außerhalb des sinnvoll abgedeckten Bereichs.

Die Puffer sollten den erwarteten Messwert möglichst einschließen.

Den ersten Anzeigewert übernehmen

Elektroden benötigen Zeit, um sich an die Probe anzupassen. Bei niedriger Temperatur, geringer Leitfähigkeit oder verschmutzter Elektrode kann die Stabilisierung länger dauern.

Messergebnisse mit zu vielen Nachkommastellen angeben

Eine Anzeige von 7,00 bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Messverfahren eine Genauigkeit von ±0,01 pH erreicht.

Zur tatsächlichen Messqualität gehören auch:

  • Kalibrierung,
  • Zustand der Elektrode,
  • Qualität der Puffer,
  • Temperatur,
  • Probenvorbereitung,
  • Wiederholbarkeit.

Unterschiedliche Messmethoden direkt vergleichen

Ein Teststreifenwert und ein instrumentell bestimmter Wert können voneinander abweichen. Das bedeutet nicht automatisch, dass eines der Ergebnisse falsch ist. Beide Methoden besitzen unterschiedliche Auflösung und Fehlerquellen.

Sicherheit beim Umgang mit sauren und alkalischen Lösungen

Ein neutraler oder nur leicht abweichender pH-Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Probe ungefährlich ist. Umgekehrt lässt sich die Gefährlichkeit eines Produkts nicht allein aus dem pH-Wert ableiten.

Weitere relevante Faktoren sind:

  • Konzentration,
  • chemische Zusammensetzung,
  • Oxidationswirkung,
  • Toxizität,
  • Temperatur,
  • Reaktivität,
  • eingesetzte Menge,
  • mögliche Dampf- oder Aerosolbildung.

Vor der Messung chemischer Produkte sollten daher Etikett und Sicherheitsdatenblatt geprüft werden.

Je nach Probe können erforderlich sein:

  • Schutzbrille,
  • geeignete Schutzhandschuhe,
  • Laborkittel oder Schutzkleidung,
  • Gesichtsschutz,
  • technische Lüftung,
  • geeignete Probengefäße.

Unbekannte Lösungen sollten nicht probiert, direkt eingeatmet oder ohne Prüfung neutralisiert werden.

Entscheidungshilfe für die passende Messmethode

Wählen Sie Universalindikatorpapier, wenn:

  • der ungefähre pH-Bereich unbekannt ist,
  • eine schnelle Orientierung genügt,
  • keine hohe Genauigkeit erforderlich ist,
  • nur gelegentlich gemessen wird.

Wählen Sie Indikatorpapier mit engem Bereich, wenn:

  • der erwartete pH-Wert bereits ungefähr bekannt ist,
  • Sie innerhalb eines bestimmten Bereichs besser unterscheiden möchten,
  • eine schnelle visuelle Kontrolle ausreicht.

Wählen Sie einen flüssigen Indikator, wenn:

  • ein bestimmter chemischer Umschlagspunkt beobachtet werden soll,
  • eine Säure-Base-Titration durchgeführt wird,
  • der Farbumschlag Teil einer Demonstration oder Reaktionskontrolle ist.

Wählen Sie ein pH-Meter, wenn:

  • ein numerischer Messwert benötigt wird,
  • Ergebnisse dokumentiert werden,
  • kleine Veränderungen relevant sind,
  • regelmäßig gemessen wird,
  • Chargen oder Prozesse miteinander verglichen werden,
  • die Eigenfarbe der Probe eine visuelle Auswertung erschwert.

Für viele Aufgaben ist eine Kombination sinnvoll: Zuerst wird der ungefähre Bereich mit Testpapier bestimmt. Anschließend erfolgt die genauere Messung mit einem passend kalibrierten pH-Meter.

Entscheidend ist nicht, welche Methode technisch am aufwendigsten ist. Entscheidend ist, welche Messqualität die konkrete Aufgabe erfordert.

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