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CAS-Nummer, EG-Nummer und REACH-Nummer: Was bedeuten diese Kennzeichnungen?

podľa Biogo Biogo 21 Sep 2026 0 komentáre
Chemikalienflaschen mit CAS-, EG- und REACH-Kennzeichnungen neben Sicherheitsdatenblatt in einem professionellen Labor

Auf einem Etikett steht CAS 64-17-5, im Sicherheitsdatenblatt zusätzlich EG 200-578-6 und an anderer Stelle eine lange REACH-Registrierungsnummer. Für denselben Stoff tauchen also gleich mehrere Nummern auf.

Sind das unterschiedliche Stoffe? Kann man die Nummern austauschbar verwenden? Und welche Kennzeichnung ist beim Einkauf wirklich wichtig?

Die kurze Antwort: Nein, diese Nummern bedeuten nicht dasselbe. Sie stammen aus unterschiedlichen Systemen und erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Wer Chemikalien einkauft, dokumentiert oder weiterverkauft, sollte deshalb wissen, welche Nummer wofür steht.

Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Stoffkennzeichnungen verständlich und zeigt, wo typische Verwechslungen entstehen.

Inhaltsverzeichnis

→ Warum gibt es mehrere Nummern für dieselbe Chemikalie? → Was ist eine CAS-Nummer? → Wie ist eine CAS-Nummer aufgebaut? → Was ist eine EG-Nummer? → EINECS, ELINCS und NLP: Woher stammen EG-Nummern? → Was ist eine ECHA-Listennummer? → Was ist eine REACH-Registrierungsnummer? → Wie ist eine REACH-Registrierungsnummer aufgebaut? → CAS-, EG- und REACH-Nummer im direkten Vergleich → Beispiel Ethanol: drei Kennzeichnungen für einen Stoff → Kann ein Stoff mehrere CAS-Nummern haben? → Warum reicht die CAS-Nummer allein nicht immer aus? → Welche Nummer steht im Sicherheitsdatenblatt? → Welche Kennzeichnung sollte man beim Einkauf prüfen? → CAS-Nummer und Produktqualität sind zwei verschiedene Dinge → REACH-registriert bedeutet nicht automatisch „ungefährlich“ → Bedeutet eine fehlende REACH-Nummer automatisch einen Verstoß? → EG-Nummer und ECHA-Listennummer nicht verwechseln → Typische Fehler bei Stoffkennzeichnungen → Checkliste zur eindeutigen Stoffidentifikation

Warum gibt es mehrere Nummern für dieselbe Chemikalie?

Chemische Bezeichnungen sind nicht immer eindeutig.

Ein Stoff kann beispielsweise unter mehreren Namen bekannt sein:

  • systematischer chemischer Name,
  • Trivialname,
  • Handelsname,
  • englische Bezeichnung,
  • ältere Bezeichnung,
  • Abkürzung.

Ethanol kann beispielsweise auch als Ethylalkohol bezeichnet werden. Bei komplexeren Stoffen wird die Situation noch unübersichtlicher.

Numerische Identifikatoren sollen deshalb helfen, einen Stoff eindeutig einem Datenbestand oder regulatorischen Verfahren zuzuordnen.

Dabei entstanden verschiedene Systeme für unterschiedliche Zwecke.

Die drei Nummern, die man in Europa besonders häufig sieht, sind:

CAS-Nummer – international verbreiteter Stoffidentifikator,

EG-Nummer – europäischer Stoffidentifikator,

REACH-Registrierungsnummer – Kennzeichen einer Registrierung nach REACH.

Sie ergänzen sich, ersetzen einander aber nicht.

Was ist eine CAS-Nummer?

CAS steht für Chemical Abstracts Service.

Der Chemical Abstracts Service ist eine Einheit der American Chemical Society und betreibt das CAS Registry, eine umfangreiche Datenbank chemischer Stoffe.

Eine CAS Registry Number, kurz CAS-Nummer oder CAS RN, wird einem Stoff als eindeutiger numerischer Identifikator im CAS-System zugeordnet.

ECHA beschreibt die CAS-Nummer entsprechend als numerischen Stoffidentifikator, der vom Chemical Abstracts Service für Einträge im CAS Registry vergeben wird.

Bekannte Beispiele:

  • Ethanol: 64-17-5
  • Natriumchlorid: 7647-14-5
  • Schwefelsäure: 7664-93-9
  • Aceton: 67-64-1

Die Nummer selbst enthält keine chemische Information.

Aus 64-17-5 lässt sich also nicht ablesen:

  • dass es sich um Ethanol handelt,
  • welche Summenformel der Stoff besitzt,
  • wie gefährlich er ist,
  • wie rein das Produkt ist,
  • ob er unter REACH registriert wurde.

Die CAS-Nummer dient in erster Linie der Identifikation.

Wie ist eine CAS-Nummer aufgebaut?

Eine CAS-Nummer besteht aus drei durch Bindestriche getrennten Zahlenblöcken.

Beispiel:

64-17-5

Der letzte Block besteht aus einer einzelnen Prüfziffer.

Das Format hilft dabei, Eingabefehler zu erkennen. Die Ziffern sind jedoch kein codierter Hinweis auf Stoffgruppe, Molekülstruktur oder Gefahrenklasse.

Wichtig beim Produkteinkauf

Die gleiche CAS-Nummer bedeutet nicht automatisch, dass zwei angebotene Produkte identisch sind.

Produkte mit derselben CAS-Nummer können sich unterscheiden durch:

  • Reinheitsgrad,
  • Konzentration,
  • Wassergehalt,
  • zulässige Verunreinigungen,
  • Qualität wie technisch oder p.a.,
  • Verpackungsgröße,
  • vorgesehene Anwendung.

Zwei Ethanolprodukte können also beide die CAS-Nummer 64-17-5 tragen und trotzdem völlig unterschiedliche Spezifikationen besitzen.

Die CAS-Nummer beantwortet die Frage:

Welcher Stoff ist das?

Sie beantwortet nicht:

Welche Qualität dieses Stoffes bekomme ich?

Was ist eine EG-Nummer?

Die EG-Nummer, häufig auch als EC Number bezeichnet, ist ein europäischer Stoffidentifikator.

ECHA verwendet EG-Nummern zur Identifikation von Stoffen innerhalb verschiedener europäischer Chemikalienverzeichnisse und regulatorischer Prozesse.

Ein typisches Format lautet:

200-578-6

Das ist beispielsweise die EG-Nummer von Ethanol.

Die Nummer besteht aus sieben Ziffern in der Form:

XXX-XXX-X

Auch hier ist die letzte Stelle eine Prüfziffer.

ECHA bezeichnet die EG- beziehungsweise Listennummer als einen zentralen Stoffidentifikator in ihren Systemen.

EINECS, ELINCS und NLP: Woher stammen EG-Nummern?

Der Begriff EG-Nummer fasst Nummern aus mehreren früheren europäischen Stoffverzeichnissen zusammen.

Dazu gehören insbesondere:

EINECS

European Inventory of Existing Commercial Chemical Substances

Hier wurden Stoffe erfasst, die bereits vor Einführung bestimmter europäischer Meldepflichten kommerziell verfügbar waren.

EINECS-Nummern beginnen typischerweise mit:

2xx-xxx-x oder 3xx-xxx-x

ELINCS

European List of Notified Chemical Substances

Diese Liste enthält Stoffe, die nach Einführung entsprechender Meldeverfahren als neue Stoffe notifiziert wurden.

Typisches Format:

4xx-xxx-x

NLP

No-Longer Polymers

Dabei handelt es sich um Stoffe, die nach einer Änderung der Polymerdefinition nicht mehr als Polymere galten.

Typisches Format:

5xx-xxx-x

ECHA weist ausdrücklich darauf hin, dass diese verschiedenen historischen Listen heute gemeinsam hinter dem Begriff EC Inventory stehen.

Für Anwender ist die historische Herkunft meist weniger wichtig als die praktische Funktion:

Die EG-Nummer hilft dabei, einen Stoff innerhalb europäischer Systeme eindeutig zuzuordnen.

Was ist eine ECHA-Listennummer?

Hier entsteht besonders häufig Verwirrung.

Nicht jeder Stoff in den ECHA-Systemen besitzt eine offizielle EG-Nummer aus den historischen europäischen Verzeichnissen.

Wenn für einen Stoff keine entsprechende EG-Nummer vorhanden ist, kann ECHA eine sogenannte List Number vergeben.

Diese sieht einer EG-Nummer sehr ähnlich.

Beispiele können mit folgenden Ziffern beginnen:

  • 1
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

oder künftig auch mit einem Buchstaben.

ECHA weist jedoch auf einen entscheidenden Unterschied hin:

Listennummern sind technische Identifikatoren und besitzen nicht dieselbe rechtliche Bedeutung wie offizielle EG-Nummern. ECHA empfiehlt daher, sie nicht einfach wie EG-Nummern beispielsweise in Sicherheitsdatenblättern zu verwenden.

Das ist wichtig, weil beide Nummerntypen optisch fast gleich aussehen können.

Wer mit regulatorischen Dokumenten arbeitet, sollte deshalb nicht allein aus dem Format schließen:

„XXX-XXX-X = EG-Nummer“.

Was ist eine REACH-Registrierungsnummer?

Die REACH-Registrierungsnummer hat eine völlig andere Funktion.

REACH steht für:

Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals

Unter REACH müssen Unternehmen bestimmte Stoffe registrieren, wenn sie diese in der EU beziehungsweise im Europäischen Wirtschaftsraum in relevanten Mengen herstellen oder importieren.

Grundsätzlich betrifft die Registrierung Hersteller und Importeure, die einen Stoff in Mengen von mindestens einer Tonne pro Jahr herstellen oder einführen, sofern keine Ausnahme greift. ECHA beschreibt die Registrierung als Verfahren, bei dem Unternehmen Informationen über Eigenschaften, Verwendungen und Risiken des Stoffes in einem Registrierungsdossier einreichen.

Die REACH-Registrierungsnummer wird nach erfolgreicher Registrierung vergeben.

Sie identifiziert damit nicht einfach nur den Stoff.

Sie dokumentiert eine konkrete regulatorische Registrierung.

Das ist der zentrale Unterschied zur CAS- und EG-Nummer.

Wie ist eine REACH-Registrierungsnummer aufgebaut?

Eine vollständige REACH-Registrierungsnummer sieht beispielsweise schematisch so aus:

01-XXXXXXXXXX-XX-XXXX

Sie besteht aus mehreren Blöcken.

Vereinfacht enthält sie Informationen über:

  • die Art des Vorgangs,
  • eine Basisnummer,
  • eine Prüfziffer,
  • eine Kennzeichnung des Registranten.

Eine solche Nummer ist daher deutlich länger als CAS- oder EG-Nummern.

Warum findet man manchmal nur einen Teil der REACH-Nummer?

In der Lieferkette kann aus Datenschutz- beziehungsweise Vertraulichkeitsgründen nicht immer die komplette registrantenspezifische Nummer weitergegeben werden.

Auf Sicherheitsdatenblättern kann deshalb eine verkürzte Registrierungsnummer erscheinen.

Für den Anwender ist vor allem wichtig:

Eine REACH-Registrierungsnummer ist kein alternativer Name für die CAS-Nummer.

Sie zeigt, dass eine Registrierung in einem bestimmten regulatorischen Kontext existiert.

CAS-, EG- und REACH-Nummer im direkten Vergleich

CAS-Nummer

Beispiel: 64-17-5

System: Chemical Abstracts Service

Hauptzweck: internationale Identifikation eines chemischen Stoffes

Was sagt sie aus?
Welcher Eintrag im CAS Registry gemeint ist.

Was sagt sie nicht aus?
Reinheit, Qualität, REACH-Status oder Gefährlichkeit.

EG-Nummer

Beispiel: 200-578-6

System: europäische Stoffverzeichnisse

Hauptzweck: Identifikation innerhalb europäischer Chemikalienregelungen und Datenbanken

Was sagt sie aus?
Welcher Stoffeintrag im europäischen Inventar gemeint ist.

Was sagt sie nicht aus?
Dass ein bestimmtes Produkt automatisch REACH-konform oder registriert ist.

REACH-Registrierungsnummer

Beispiel: 01-XXXXXXXXXX-XX-XXXX

System: REACH

Hauptzweck: Identifikation einer Registrierung

Was sagt sie aus?
Dass für den Stoff beziehungsweise die betreffende Registrierung ein REACH-Registrierungsverfahren durchgeführt wurde.

Was sagt sie nicht aus?
Dass jedes Produkt mit derselben CAS-Nummer von jedem Anbieter unter exakt derselben Registrierung vertrieben wird.

Beispiel Ethanol: drei Kennzeichnungen für einen Stoff

Ethanol eignet sich gut, um die Unterschiede zu zeigen.

Stoffname

Ethanol

CAS-Nummer

64-17-5

EG-Nummer

200-578-6

ECHA führt Ethanol mit diesen Identifikatoren in seinen Stoffinformationen. Auch BAuA zeigt in seinen REACH-Unterlagen Ethanol beispielhaft mit CAS 64-17-5 und EG 200-578-6.

Eine REACH-Registrierungsnummer kann zusätzlich vorhanden sein.

Damit können für denselben Stoff auf einem Sicherheitsdatenblatt mehrere Nummern stehen, ohne dass sich diese widersprechen.

Sie beschreiben lediglich unterschiedliche Ebenen:

CAS = Stoffidentität im CAS-System

EG = Stoffidentität im europäischen Inventar

REACH = regulatorische Registrierung

Kann ein Stoff mehrere CAS-Nummern haben?

In der Praxis können sehr ähnliche oder zusammengehörige Stoffformen unterschiedliche CAS-Nummern besitzen.

Das betrifft beispielsweise:

  • wasserfreie Stoffe und Hydrate,
  • unterschiedliche Salze,
  • Isomere,
  • Gemische oder Stoffgruppen,
  • bestimmte strukturelle Formen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Unterscheidung zwischen einem wasserfreien Salz und seinem Hydrat.

Obwohl beide im Alltag unter einer sehr ähnlichen Bezeichnung verkauft werden können, handelt es sich chemisch nicht zwingend um denselben Stoffeintrag.

Deshalb sollten bei einer Bestellung nicht nur Produktname und CAS-Nummer verglichen werden, sondern je nach Anwendung auch:

  • Summenformel,
  • Molmasse,
  • Hydratationsstufe,
  • Konzentration,
  • Reinheit,
  • Produktspezifikation.

Gerade bei der Herstellung molarer Lösungen kann eine Verwechslung zwischen wasserfreiem Stoff und Hydrat direkt zu einer falschen Konzentration führen.

Warum reicht die CAS-Nummer allein nicht immer aus?

Eine CAS-Nummer ist sehr nützlich, aber sie ist nicht in jedem Fall ausreichend für eine vollständige Stoffidentifikation.

Besonders komplex können sogenannte UVCB-Stoffe sein.

UVCB steht für:

Substances of Unknown or Variable Composition, Complex Reaction Products or Biological Materials

Bei solchen Stoffen lässt sich die Zusammensetzung nicht immer über eine einzelne klar definierte Molekülstruktur beschreiben.

Für die regulatorische Stoffidentität können deshalb zusätzlich wichtig sein:

  • Herstellungsverfahren,
  • Ausgangsmaterialien,
  • Zusammensetzungsbereiche,
  • charakteristische Bestandteile,
  • analytische Daten.

ECHA betont bei REACH-Verfahren entsprechend die Bedeutung einer präzisen Stoffidentifikation. Nur so kann sichergestellt werden, dass Registrierungen und Daten tatsächlich demselben Stoff zugeordnet werden.

Das erklärt auch, warum beim professionellen Chemikalieneinkauf die Suche nur nach CAS-Nummer manchmal zu kurz greift.

Welche Nummer steht im Sicherheitsdatenblatt?

Die wichtigsten Stoffidentifikatoren finden sich typischerweise in mehreren Bereichen des Sicherheitsdatenblatts.

Abschnitt 1

Hier finden Sie den Produktidentifikator und Informationen zum Produkt beziehungsweise Lieferanten.

Abschnitt 3

Bei Stoffen beziehungsweise gefährlichen Bestandteilen eines Gemischs können unter anderem angegeben sein:

  • chemischer Name,
  • CAS-Nummer,
  • EG-Nummer,
  • Konzentration,
  • Einstufung.

REACH-Registrierungsnummer

Falls relevant, kann auch die Registrierungsnummer angegeben werden.

Gerade bei Gemischen ist jedoch wichtig:

Das Sicherheitsdatenblatt kann mehrere CAS- und EG-Nummern enthalten, weil mehrere relevante Bestandteile aufgeführt werden.

Die erste sichtbare CAS-Nummer ist deshalb nicht automatisch die „CAS-Nummer des gesamten Produkts“.

Welche Kennzeichnung sollte man beim Einkauf prüfen?

Beim professionellen Einkauf würde ich nicht nur eine Nummer kontrollieren.

Für eine sichere Produktzuordnung sollte ein Vergleich mindestens folgende Punkte umfassen:

Stoffname

Ist tatsächlich dieselbe chemische Verbindung gemeint?

CAS-Nummer

Stimmt der Stoffidentifikator?

EG-Nummer

Passt auch die europäische Zuordnung?

Summenformel

Besonders hilfreich bei Salzen, Hydraten und ähnlichen Verbindungen.

Molmasse

Wichtig beispielsweise bei analytischen Berechnungen.

Konzentration

Ein Produkt mit 30 % ist nicht mit einer 50-prozentigen Lösung austauschbar.

Reinheitsgrad

Technisch, rein, reinst und p.a. können für völlig unterschiedliche Anwendungen gedacht sein.

Spezifikation

Welche Verunreinigungen und Grenzwerte gelten?

REACH-Informationen

Bei gewerblichen Anwendungen und regulatorisch relevanten Stoffen kann zusätzlich der Registrierungsstatus beziehungsweise die Lieferketteninformation wichtig sein.

Die beste Vorgehensweise lautet daher:

Nicht nach einer einzelnen Nummer kaufen, sondern die gesamte Stoffidentität und Produktspezifikation vergleichen.

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CAS-Nummer und Produktqualität sind zwei verschiedene Dinge

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Angenommen, zwei Angebote zeigen:

CAS 1310-73-2

Damit ist Natriumhydroxid gemeint.

Produkt A könnte jedoch sein:

Natriumhydroxid technisch

Produkt B:

Natriumhydroxid p.a.

Produkt C:

Natriumhydroxid-Lösung 50 %

Obwohl der Stoffbezug ähnlich beziehungsweise teilweise identisch ist, sind die Produkte nicht für jede Anwendung austauschbar.

Für die Kaufentscheidung müssen daher zusätzlich geprüft werden:

  • Aggregatzustand,
  • Konzentration,
  • Reinheit,
  • Wassergehalt,
  • Verunreinigungen,
  • Anwendungszweck.

Die CAS-Nummer ist der Anfang der Identifikation – nicht das Ende.

REACH-registriert bedeutet nicht automatisch „ungefährlich“

Eine weitere häufige Fehlinterpretation lautet:

„Der Stoff hat eine REACH-Nummer, also ist er sicher.“

Das ist falsch.

REACH-Registrierung bedeutet nicht, dass ein Stoff ungefährlich ist.

Auch:

  • giftige,
  • ätzende,
  • krebserzeugende,
  • umweltgefährliche,
  • entzündbare

Stoffe können registriert sein.

Im Registrierungsprozess werden Informationen zu Stoffeigenschaften, Verwendungen und Risiken zusammengetragen und bewertet. Die Registrierung ersetzt jedoch nicht:

  • die CLP-Einstufung,
  • Gefahrenkennzeichnung,
  • Sicherheitsdatenblatt,
  • Gefährdungsbeurteilung,
  • betriebliche Schutzmaßnahmen.

ECHA beschreibt das REACH-System ausdrücklich so, dass Registranten Gefahren und potenzielle Risiken bewerten und angeben müssen, wie diese kontrolliert werden können.

Bedeutet eine fehlende REACH-Nummer automatisch einen Verstoß?

Auch das lässt sich nicht pauschal sagen.

Nicht jeder Stoff und nicht jede Lieferkette benötigt zwingend eine REACH-Registrierungsnummer.

Gründe können unter anderem sein:

  • Herstellung oder Import unterhalb relevanter Mengenschwellen,
  • gesetzliche Ausnahmen,
  • besondere Stoffkategorien,
  • Rolle des Unternehmens in der Lieferkette,
  • bestimmte Verwendungen,
  • das Produkt ist ein Gemisch und die Registrierung betrifft einzelne Inhaltsstoffe.

Deshalb sollte aus einer nicht sichtbaren Registrierungsnummer nicht automatisch geschlossen werden, dass ein Produkt rechtswidrig angeboten wird.

Bei Unklarheiten sollte der konkrete Stoff, die Verwendung und die Lieferkette geprüft werden.

EG-Nummer und ECHA-Listennummer nicht verwechseln

Dieser Unterschied ist besonders für Datenbanken und automatisierte Produktpflege wichtig.

Optisch können beide Nummern nach demselben Schema aussehen:

XXX-XXX-X

Aber:

Eine echte EG-Nummer stammt aus dem offiziellen EC Inventory.

Eine ECHA-Listennummer ist ein technischer Identifikator, den ECHA für bestimmte Stoffeinträge verwendet.

ECHA erklärt ausdrücklich, dass solche Listennummern keine rechtliche Bedeutung besitzen und nicht wie offizielle EG-Nummern behandelt werden sollten.

Für Shops, PIM-Systeme und Produktdatenbanken bedeutet das:

Das Feld „EG-Nummer“ sollte nicht automatisch mit jeder Nummer im Format XXX-XXX-X befüllt werden.

Typische Fehler bei Stoffkennzeichnungen

CAS-Nummer mit Artikelnummer verwechseln

Eine Artikelnummer gehört zu einem konkreten Produkt eines Lieferanten.

Die CAS-Nummer gehört zum chemischen Stoff.

Wechselt der Lieferant, kann sich die Artikelnummer ändern – die CAS-Nummer des Stoffes bleibt grundsätzlich dieselbe.

CAS-Nummer und REACH-Nummer gleichsetzen

Beide haben völlig unterschiedliche Funktionen.

CAS identifiziert einen Stoff im CAS-System.

REACH identifiziert eine Registrierung.

Nur nach dem Stoffnamen suchen

Handels- und Trivialnamen können mehrdeutig sein.

Die zusätzliche Prüfung von CAS- und EG-Nummer reduziert das Risiko einer Verwechslung.

Gleiche CAS-Nummer mit gleichem Produkt gleichsetzen

Der gleiche Stoff kann in verschiedenen:

  • Reinheiten,
  • Konzentrationen,
  • Qualitäten,
  • Verpackungsformen

angeboten werden.

EG- und Listennummer gleich behandeln

Das ähnliche Nummernformat führt leicht zu falschen Datensätzen.

ECHA unterscheidet beide ausdrücklich.

Hydrate übersehen

Ein wasserfreier Stoff und sein Hydrat können unterschiedliche:

  • CAS-Nummern,
  • Molmassen,
  • Stoffmengenberechnungen

haben.

REACH-Nummer als Qualitätssiegel verstehen

Eine Registrierung sagt nichts darüber aus, ob ein Produkt technisch, rein oder p.a. ist.

Alte Produktdaten ungeprüft übernehmen

Stoffidentitäten, Einstufungen und regulatorische Informationen sollten immer mit aktuellen Lieferantenunterlagen abgeglichen werden.

Checkliste zur eindeutigen Stoffidentifikation

Vor Bestellung, Verwendung oder Aufnahme einer Chemikalie in die betriebliche Datenbank sollten Sie prüfen:

  • Wie lautet der vollständige chemische Name?
  • Welche CAS-Nummer ist angegeben?
  • Welche EG-Nummer ist angegeben?
  • Handelt es sich möglicherweise um eine ECHA-Listennummer?
  • Stimmt die Summenformel?
  • Stimmt die Molmasse?
  • Handelt es sich um einen wasserfreien Stoff oder ein Hydrat?
  • Welche Konzentration besitzt das Produkt?
  • Welcher Reinheitsgrad ist angegeben?
  • Welche Produktspezifikation gilt?
  • Ist eine REACH-Registrierungsnummer angegeben, sofern relevant?
  • Stimmen Etikett, Produktseite und Sicherheitsdatenblatt überein?
  • Handelt es sich um einen einzelnen Stoff oder ein Gemisch?
  • Sind mehrere relevante Bestandteile im Sicherheitsdatenblatt aufgeführt?
  • Wurde die Identifikation mit aktuellen Hersteller- oder Lieferantendaten abgeglichen?

CAS-, EG- und REACH-Nummern lösen also unterschiedliche Probleme.

Die CAS-Nummer hilft bei der internationalen Stoffidentifikation. Die EG-Nummer ordnet den Stoff dem europäischen Chemikalieninventar zu. Die REACH-Registrierungsnummer gehört zu einem regulatorischen Registrierungsverfahren.

Wer Chemikalien professionell einkauft, sollte trotzdem nie nur eine dieser Nummern betrachten. Gerade Reinheit, Konzentration, Hydratationsstufe und Produktspezifikation entscheiden darüber, ob zwei Angebote tatsächlich austauschbar sind.

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